Es ist sechs Jahre her, dass ich zum ersten Mal in Las Vegas war. Damals hatte ich diesen schoenen Seifenblasen-Effekt, als ich es gewagt habe mal an eine der “Marmor”-Saeulen im Mirage zu klopfen. Diesmal war ich also vorbereitet und recht gespannt darauf, wie ich Vegas jetzt erleben wuerde.

Die Fahrt von Yosemite dauert fast den ganzen Tag und fuehrt durch die Wueste im Osten Kaliforniens und Nevadas. Mit einigen Pausen in Orten, die allesamt schon bessere Zeiten gesehen hatten sehen wir die ersten Haeuser von Vegas am spaeten Nachmittag. Gerade als wir auf den Interstate 15 wechseln vernehmen wir ein komisches Geraeusch von draussen. Wind? Nein, viel zu laut und bestaendig. Ausserdem ist in den Baeumen gar kein Wind zu sehen. Sicherheitshalber verlassen wir den Freeway und schauen mal nach. Ein Blick unter die Stossstange und wir stellen fest, dass der Unterboden auf der Strasse schleift. Viel ist da nicht zu machen. Also ein zweiter Anruf bei Roadside.

Natuerlich haben die bei Alamo es noch nicht geschafft mal unser “neues” Auto in’s System zu uebernehmen und so ist der Anruf nicht hilfreich. Drei Stunden soll es dauern, das Auto zu aktualisieren. Zu lange. Notduerftig klemmen wir den Unterboden an der Stossstange fest und machen uns gaaaanz langsam auf den Weg zum Hotel.

Am naechsten Morgen rufe ich nochmal bei Roadside an. Dort wissen sie immernoch nix von unserem neuen Auto, wir werden aber zum Flughafen geschickt, das Auto zu tauschen. Immerhin. Bis auf ein paar kurze Diskussionen und Erklaerungen ist der Tausch am Flughafen problemlos und etwa eine Stunde nachdem wir den Alten dort abgegeben haben fahren wir mit einem weissen Toyota aus dem Parkhaus. Mal sehen, ob das asiatische Auto laenger haelt, als ein Europaeisches oder ein Amerikanisches.

Da der Strip tagsueber eher langweilig ist und wir sowieso noch haufenweise neue Klamotten brauchen halten wir an der Mall, direkt neben dem Flughafen, an. Die Details von 2h shoppen spare ich mir jetzt mal, als wir die Mall aber verlassen wollen regnet es in Stroemen. Soviel zum Thema Wueste.

Der Regen ist gar nicht das Problem, wir sind ja nicht aus Zucker. Der halbe Meter Wasser auf dem Parkplatz ist da schon schlimmer. Die Autotueren jetzt oeffnen waere der Tod von mindestens Kamera und Laptop, die sind naemlich unten im Rucksack. Nicht besonders clever, aber wer rechnet schon mit sowas? Also bleibt uns hoffen, bangen und weiter shoppen. Eine weitere Stunde spaeter steht das Wasser unterhalb der Autotueren und wir koennen das Elend genauer ansehen. Der Rucksack mit der Kamera stand zwar im Wasser, aber wasserdichter Rucksack und wasserdichte Kameratasche haben Selbige trocken bleiben lasssen. Der Rucksack mit dem Laptop ist sogar von aussen trocken geblieben.

Am Abend trauen wir uns dann auf den Las Vegas Strip. Den Teil des Las Vegas Boulevard auf dem die grossen Hotels und Casinos stehen. Ein neues Hotel mit Luxus-Mall ist dazu gekommen, sonst hat sich seit 2006 nicht viel veraendert. Menschen denen man normalerweise nicht im dunkeln begegnen wollen, verteilen immernoch die Nummern von “Stripperinnen”, es blinkt ueberall und Obdachlose betteln auf den Bruecken um ein paar Cent zum ueberleben. Dazwischen singen auch hin und wieder Strassenmusiker ihre Lieder. In den Casinos hoffen gebrochene Gestalten auf den schnellen Dollar. Dazwischen Einkaufsmeilen mit Juwelieren und Eisstaenden, an denen die Kugel Eis 6$ kostet.

Auf der Strasse geht es laut und blinkend zu. Ein LKW faehrt Kreise und macht Werbung fuer Eskorten. Mickey Mouse sitzt am Strassenrand und macht Fotos für Trinkgeld. Wer Mickey Mouse zu kitschig findet kann das Foto auch mit Frankenstein machen.

Vegas ist mir auch heute noch unsympatisch, die schreiende, soziale Ungerechtigkeit, die schier unbeschreibliche Umweltzerstörung und die langsam bröckelnde Fassade verderben mir nach wie vor den Spaß an der Stadt, auch wenn die voellig uebertriebenen Shows und die Attraktionen an jedem grossen Hotel natuerlich ihren Reiz haben.